Maximale Zielgruppenorientierung: “Ärzte behandeln Ärzte” als neues Geschäftsmodell
Haben Sie sich schon einmal gefragt, ob Ihr Hausarzt regelmäßig zum Hausarzt geht? Oder ob sich ein Psychiater von seinem Konkurrenten behandeln lässt, wenn er selbst psychische Probleme hat?
In einer anonymen Studie von 2008 wurden australischen Ärzten derartige Fragen gestellt. Heraus kam, dass:
- 40% aller Ärzte keinen eigenen Hausarzt haben
- 12% der Ärzte innerhalb des letzten Jahres ihre eigenen Depressionen behandelt haben
- 71% aller Ärzte Schamgefühle haben, andere Ärzte zu konsultieren.
Die Angst vor Konkurrenten das eigene Gesicht zu verlieren, kombiniert mit der Selbstüberschätzung der eigenen Heilungskünste führt bei zahlreichen Ärzten dazu, dass Sie zu selten und zu spät die Hilfe anderer Mediziner ersuchen.
Bisher fehlte ihnen aber auch das richtige Angebot an medizinischer Unterstützung. Um diese Lücke zu schließen eröffnete 2010 mit der Doctors‘ Health South Australia (SA) die erste Klinik der Welt, die ausschließlich Ärzte und Medizinstudenten behandelt.
Die komplette Klinik ist auf die Bedürfnisse der eigenen Kunden ausgerichtet. So öffnet die Klinik 2 Tage in der Woche auch nachts und ist zudem samstags geöffnet, damit die häufig überarbeiteten Ärzte außerhalb ihrer eigenen Behandlungszeiten dorthin gehen können.
Zusätzlich bietet die Klinik medizinischen Support via E-Mail und Telefon. Neben den 15 fest angestellten Ärzten, vermittelt Doctors‘ Health SA auch Hausärzte und Spezialisten, die einem speziellen Verschwiegenheits-Kodex unterliegen. Geheimhaltung und Professionalität sind von höchster Bedeutung.
Maximale Ausrichtung an Kundebedürfnissen als Strategie?
Das Doctors‘ Health SA zeigt mustergültig, wie maximale Kundenorientierung funktioniert – das Personal, die Öffnungszeiten, die Kontaktkanäle, alles basiert auf den speziellen Anforderungen der anvisierten Zielgruppe. Interessant ist dabei, dass gerade die impliziten, also die nicht öffentlich geäußerte Kundenbedürfnisse, das Geschäftsmodell formen. Schließlich würden viele Ärzte außerhalb einer anonymen Umfrage nicht zugeben, dass Sie sich schämen, selbst einen Arzt aufzusuchen.
bizforward meint:
Am beschriebenen Beispiel wird deutlich, dass
- sich durch geschickte Marktforschung auch Bedürfnisse herausfinden lassen, die tief verborgen und dennoch entscheidend sind.
- die Basisaufgabe bei der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle immer noch das Aufdecken von Poblemen einer Zielgruppe und das Entwickeln einer geeigneten Lösung ist.
- maximale Kundenorientierung nicht nur eine Frage der Justierung einer Kommunikationsstrategie ist, sondern das gesamte Unternehmen betrifft.
Quellen Text:
www.abc.net.au/news/2012-03-29/world-first-clinic-to-treat-sick-doctors/3921530
Quelle Bild:
Foto: truthout.org Lizenz: Creative Commons Attribution 2.0 Generic (CC BY 2.0)




Ein Kommentar zu “Maximale Zielgruppenorientierung: “Ärzte behandeln Ärzte” als neues Geschäftsmodell”